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  |  12. Januar 2018

Die Dynamik des Wohnungsneubaus schwächelt

DIW-Prognose

Schwindendes Bauland, explodierende Baupreise und fehlende Bauarbeiter – dies sind im Wesentlichen die Gründe, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seiner jüngsten Studie für das Bundesbauministerium und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung für das nahende Ende des deutschen Höhenflugs beim Wohnungsneubau ausgemacht hat. Die gewohnten Zuwachsraten in Größenordnungen von zehn Prozent und mehr dürften nach Ansicht der Forscher bald der Vergangenheit angehören – der Wohnungsneubau büße seine Dynamik ein.

„Bekanntermaßen ist in den gefragten Lagen der großen Städte das Bauland knapp, und die Bauwirtschaft arbeitet an der Grenze ihrer Kapazitäten“, so DIW-Ökonom Claud Michelsen. Die Studien-Autoren kalkulieren damit, dass die Investitionen in den Neubau von Wohnungen im laufenden Jahr lediglich um knapp fünf Prozent über den Vorjahreswert klettern. Wurden in 2016 insgesamt 278.000 neue Wohnungen realisiert, waren es 2017 (geschätzte) 300.000 und im laufenden Jahr könnten noch 320.000 geschafft werden. Zeitgleich werden die Preise für Bauland nach Prognosen des DIW 2018 und 2019 jährlich um drei Prozent zulegen. Ein nachhaltiger Dämpfer auch für den Eigenheimbau, ebenso wie die vermutlich bald steigenden Zinsen.

Angesichts der nach wie vor großen Nachfrage auf den städtischen Wohnungsmärkten sollte die Politik neben der Baulandentwicklung auch Anreize zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums auf bereits bebauten Grundstücken setzen. „Die Aufstockung von Gebäuden, die Bebauung in zweiter Reihe und das Schließen von Baulücken birgt großes Potential, Wohnraum dort zu schaffen, wo die Nachfrage groß ist. Mit einer Investitionszulage für die Nachverdichtung könnte die Politik zusätzliche Investoren aktivieren“, so Michelsen. „Diese Förderung kann in Stadtentwicklungsgebiete fließen und damit zielgenau den Bau dringend benötigten Wohnraums unterstützen.“ Eine pauschale Förderung würde dagegen in der derzeitigen konjunkturellen Lage vor allem in steigenden Preisen verpuffen.

Hinzu kommt, dass die Baubranche zwar bislang vehement vom Immobilienboom profitiert, inzwischen aber ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hat, sprich: Es gibt keine verfügbaren Fachleute und Handwerker mehr. Die Umsätze im Bauhauptgewerbe klettern inzwischen seit sieben Jahren in Folge. Für 2017 werden die höchsten Umsätze seit 20 Jahren erwartet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg sich die Anzahl der Beschäftigten per Jahresultimo aber nur um 2,1 Prozent. Positiver Ausblick der Studie: Der zum Erliegen kommende Höhenflug bei den Neubauten, eröffne breite Perspektiven für Modernisierungen und Sanierungen des Bestands, so die Autoren.
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